Kurzbiographien der in der Gedenkstätte in Esslingen geehrten Persönlichkeiten



Dr. h. c. Herrmann F. Mögling (1811-1881) wurde in Güglingen geboren und kam 1836 als Basler Missionar nach Mangalore in Karnataka, Indien. Er gründete mehrere englische und kanaresische Schulen, gab - zusammen mit G. Weigle - die erste Zeitung in der kanaresischen Sprache heraus, richtete das Katechistenseminar in Mangalore ein, veröffentlichte eine Sammlung altkanaresischer Literatur und gründete zusammen mit seiner Frau Pauline, H. A. Kaundinya und Stephanas Somaya Almanda das Christendorf Anandapur in Kodagu (Coorg). Für seine Verdienste um die kanaresische Literatur verlieh ihm die philosophische Fakultät der Universität Tübingen 1858 die Ehrendoktorwürde. Nach seiner Rückkehr aus Indien Anfang 1861 war er zunächst in Frankfurt am Main tätig, hatte 1862-69 die Pfarrstelle Untergruppenbach inne und verbrachte seinen Ruhestand in Esslingen.

Gottfried H. Weigle (1816-1855) wurde in Esslingen-Zell geboren und kam 1840 als Basler Missionar nach Mangalore. Er erforschte mit Mögling und seiner Frau Pauline altkanaresische Werke, übersetzte die Bibel ins Kanaresische und kanaresische Texte ins Deutsche. Auf den Nilgiris (Blauen Bergen) war er der erste ständige Missionar der Basler Mission. Dort gründete er Schulen und Gemeinden. Als Leiter der Gemeinde und des Katechistenseminars starb er in Mangalore. Von ihm stammt das Lied "Drunten im Unterland".

Pauline F. Mögling verw. Weigle geb. Bacmeister (1825-1861) wurde in Esslingen geboren und kam 1845 nach Mangalore, wo sie Gottfried Weigle heiratete. Als Lehrerin unterstützte sie ihren Mann in der Gemeinde- und Übersetzungsarbeit. Sie schrieb Gedichte und übersetzte alte Texte. Nach Weigles Tod heiratete sie 1856 Herrmann Mögling in Kodagu und gewann dort durch ihr überzeugendes Wesen und ihren Unterricht viele Familien fürs Christentum. Schwer krank kam sie Anfang 1860 nach Tübingen und Reutlingen, zog im Herbst 1861 mit Mögling nach Frankfurt und starb dort nach wenigen Wochen.

Herrmann Anandrao Kaundinya (1825-1893), ein Brahmane, ließ sich 1844 in Mangalore taufen, 1846-1851 im Basler Missionshaus ausbilden und kehrte als Lehrer und Reiseprediger der Basler Mission nach Mangalore zurück. Seine erste Frau, Lakshmi, starb 1853 kinderlos. Mit seinem Vermögen kaufte er in Kodagu eine große Länderei und ermöglichte damit die Gründung der Gemeinde Anandapur. 1860 heiratete er Marie geb. Reinhardt aus Waldenbuch im Schönbuch. Viele Jahre leitete er die Gemeinde und die Kaffeeplantage Anandapur. Einige seiner Kinder lebten zeitweise im Möglingschen Haushalt in Esslingen, Landolinsplatz 1. Nach seinem Tod zog Marie Kaundinya geb. Reinhardt zunächst nach Schorndorf und lebte von 1902 bis zu ihrem Tod 1919 in der Nähe ihres Sohnes Theodor Kaundinya in Esslingen. Sie wurde nahe der Gedenkstätte auf dem Ebershaldenfriedhof bestattet.

Stephanas Somaya Almanda (um 1814 - nach 1865) ließ sich an Epiphanias 1853 in Mangalore von Mögling taufen, der mit dem Getauften nach Kodagu ging. Auf Stephanas' Land entstand die Missionsansiedlung Almanda. Von dort aus zog Stephanas Anfang 1857 mit den neuen Christen in das Gebiet des heutigen Anandapur. Mit ihnen rodete er den Wald, legte Felder an, baute Hütten, das Missionshaus und die erste Bambuskirche.